Die Bestattungskultur des Islams

Was ist Sunna, wie sieht die rituelle Waschung eines Muslim aus und was ist bei der Bestattung üblich?

In Mekka ist ca. 610 n.Chr. der Islam, die jüngste der fünf Weltreligionen, entstanden. Weltweit leben mehr als 1,2 Milliarden Muslime, womit der Islam die zweitgrößte Religion nach dem Christentum darstellt. Die meisten Anhänger hat der Islam im Nahen Osten, in Nordafrika, Westasien und Indonesien. Es gibt verschiedene Glaubensrichtungen. Die zwei größten, Sunniten und Schiiten, entwickelten sich aufgrund der Frage der Nachfolge des Propheten Mohammed verschieden.
Muslime glauben an die Botschaften Gottes und somit die Offenbarungen, Suren, des Propheten Mohammed, der 570–632 n.Chr. in Mekka und Medina, den heutigen Pilgerorten, lebte. Man gilt als Muslim, nachdem man aus vollster Überzeugung vor anderen Gläubigen das Glaubensbekenntnis, die Schahada, gesprochen hat. Dieses besagt, dass es keinen Gott außer Gott (Allah) gibt und Mohammed sein Gesandter ist. Der Islam ist somit monotheistisch und richtet sich an alle Menschen.

Die rituelle Waschung bei Muslimen

Die rituelle Waschung bei Muslimen

Auf dem Sterbebett ist ein Sterbender auf seine rechte Seite in Richtung Mekka zu drehen. Die Schahada wird gesprochen, während er noch bei Bewusstsein und ohne Schmerzen ist. Die Vorsprache sollte von einer Person erfolgen, von der man nur Gutes spricht. Nach dem Eintritt des Todes werden die Augen des Verstorbenen geschlossen und mit einem Tuch werden die Kiefer aneinandergebunden, damit der Mund des Verstorbenen nicht geöffnet ist. Der Tote wird entkleidet, mit den Füßen in Richtung Mekka auf ein niedriges Holzgestell gelegt und mit einem Leinentuch bedeckt.
Das rituelle Waschen und Einhüllen des Verstorbenen sollte schnellstens vollzogen werden. Eine rituelle Waschung darf nicht bei jedem erfolgen, so z. B. nicht bei Totgeburten oder Verstorbenen, die auf dem Schlachtfeld oder bei der Erfüllung der beruflichen Pflichten für das Allgemeinwohl getötet wurden. Die Waschung ist für die Hinterbliebenen Vorschrift. Männliche Verstorbene werden von Männern gewaschen, weibliche Verstorbene von Frauen. Ein Nichtmuslim darf den Toten nicht waschen und selbst auch nicht gewaschen werden. Für die Waschung werden heißes Wasser sowie Seife oder ein ähnliches Körperreinigungsmittel benutzt. Der Verstorbene wird von Kopf bis Fuß gründlich gewaschen. Durch dreimaliges Waschen des Körpers wird die Sunna-Bestimmung erfüllt. Unter Sunna versteht man das maßgebliche Vorbild des Propheten Mohammed durch seine Worte und Handlungen.
Der Verstorbene wird so beerdigt, wie er war. Thanatopraktische Maßnahmen, also kosmetische oder chirurgische Veränderungen, sind nicht gestattet. Das Einhüllen der Leiche ist, soweit der muslimische Angehörige dazu finanziell fähig ist, ein Muss.

Die islamische Beerdigung

Eine Beerdigung am Sterbeort wird empfohlen. Besteht keine Verwesungsgefahr, kann der Leichnam auch an einen anderen Ort überführt und dort bestattet werden. Im Freien werden das rituelle Totengebet und die Freisprechung vor der versammelten Gemeinde abgehalten. Alle müssen dabei stehen, ein Niederwerfen ist nicht gestattet. Der Leichnam wird von mindestens vier schweigenden Männern zum Grab getragen, wobei sie alle zehn Schritte die Position im Uhrzeigersinn wechseln. Bei einer Überführung kann ein Wagen oder Lasttier benutzt werden. Die begleitende Gemeinde geht hinter dem Leichnam, spricht und singt unaufhörlich das Glaubensbekenntnis. Muslimische Passanten sollten sich anschließen. Das Tragen des Verstorbenen, auch wenn es nur ein Stück ist, ist sehr verdienstvoll.
Im Islam ist es unüblich, wenn auch nicht verboten, dass Frauen den Leichnam auf dem Weg begleiten. Die islamische BeerdigungWährend der Überführung und des Tragens sowie am Todesort ist es rituell unerwünscht, klagend zu weinen oder zu schreien. Leises Weinen ist nicht untersagt, besser ist es jedoch, geduldig und gefasst zu bleiben.
Die Grabstelle wird so ausgerichtet, dass der Verstorbene auf der rechten Seite liegt und das Gesicht im Grab nach Mekka zeigt – auch in Deutschland gibt es islamische Grabfelder, die sich danach richten. Nachdem der Verstorbene im Sarg oder in den Leinentüchern, mit der Fußseite zuerst, in die Gruft gelegt wurde, werden Koransuren verlesen. Dies geschieht durch die nächsten Hinterbliebenen oder deren Bevollmächtigte. Ist dies nicht möglich, ist der Imam, der Vorbeter der Gemeinde, mit der Durchführung zu beauftragen.
Es ist empfehlenswert, die guten Taten eines Toten zu erzählen und die schlechten zu verschweigen. Das Grab wird unter Mithilfe der Anwesenden mit der Erde gefüllt, die ausgehoben wurde. Bis zum Tag der Auferstehung liegen die Verstorbenen im Grab. Die Seelen befinden sich in einem unbestimmten Raum, wo sie bis zum Jüngsten Gericht verweilen.

Nach der Bestattung

Innerhalb von drei Tagen nach dem Tod empfängt die Familie Kondolenzbesucher. Es ist positiv, den Hinterbliebenen sein Beileid auszusprechen. Danach sollte keine Beileidsbekundung mehr erfolgen, ausgenommen, man war weit entfernt oder wusste nichts von dem Todesfall. Bis 40 Tage nach dem Tod sollte ein Traueressen mit religiösen Lesungen abgehalten werden.
An Feiertagen versammeln sich Familien oft auf dem Friedhof. Der Grabbesuch entspricht der Sunna, um eine Lehre aus dem Tod zu ziehen, um den Koran zu lesen und um den Gotteslohn für die Toten zu erhalten. Während des Besuches darf man nicht um das Grab herumlaufen, Hände, Gesicht oder Gegenstände auf das Grab legen, den Toten um Hilfe anflehen und auch keine Kerzen anzünden.

Selbstverständlich beachten wir bei islamischen Bestattungen in Deutschland die Vorschriften und führen rituelle Waschungen durch. Aber auch bei einer Überführung bereiten wir alles Notwendige z. B. mit den Behörden und Konsulaten vor.